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Himmel auf Holbox: Im Paradies sprechen sie Spanisch



Schweißgebadet wachte ich auf. Es war ein unruhiger Schlaf gewesen, und zu allem Übel hatte sich das kleine Zimmer über Nacht in eine finnische Sauna verwandelt, deren schwüle Hitze sich trotz eines Ventilators, welcher derart wild rotierte, dass die Decke jeden Moment abzuheben drohte, in Form Tausender kleiner Tropfen auf meine Haut gelegt hatte.


Ich genoss den Moment unmittelbar nach dem Aufwachen, diesen kurzen Augenblick, in dem man sich erst orientieren musste, in dem die Synapsen allmählich hochfuhren, bevor die Erkenntnis darüber, was tags zuvor passiert war, nach und nach sich in jeden Winkel meiner Gehirnwindungen ausbreitete und über meine trockene Kehle langsam in meinen Magen hinunter kroch.


Es war bereits Nachmittag, und kurz sinnierte ich darüber nach, ob ich nicht einfach liegenbleiben, das dünne Leintuch über den Kopf und diesen Tag an mir vorüberziehen lassen sollte. So tun, als wäre das alles nur ein böser Traum.


Oder aber, tauchte da kaum merklich ein Gedanke hinter meiner Stirn auf, du stehst auf, nimmst dein Handtuch, setzt dich unter eine Palme und ertränkst deine Laune in überteuertem mexikanischem Bier. Auch eine Möglichkeit, bestätigte ich mit entschlossenem Kopfnicken. Ich erhob mich aus der schweißfeuchten Wiege meines Selbstmitleids, wusch mich, packte meine Siebensachen und fragte nach dem nächstgelegenen Frühstückslokal.


Einmal Rührei a la mexicana, mit Tomaten, Bohnenpüree und Tortillas, und eine großzügige Kanne Kaffee später war aus einer schiffsbrüchigen Catalina wieder annähernd ein Mensch geworden. Ich bezahlte und machte mich über eine der Sandpisten auf in Richtung Strand.


Zwischen schmalen, in allen erdenklichen Farbkombinationen angestrichenen, einstöckigen Gebäuden hindurch spazierte ich vorbei an kleinen Läden und unzähligen Restaurants. Nur ein Häuserblock trennte mich noch vom Meer, ich konnte es schon riechen, eine frische, salzige Brise strich mir um die Nase. Alle paar Meter hupte hinter mir warnend eines der gefühlt Hunderten Golfcarts, in denen sich Touristen und Einheimische zu ihren Unterkünften chauffieren ließen. Und als ich endlich am Ende der Häuserschlucht anlangte und auf den offenen Strand hinaustrat, da tat sich vor mir ein Bild wie ein Aquarellgemälde auf, so prächtig, dass es mir schlagartig den Atem raubte.


Ich blieb stehen und ließ das Paradies auf mich wirken. Dicke, sattgrüne, schwer behangene Kokospalmen beugten sich tief über den feinen, weiß schimmernden Sand, fast so, als würden sie sich ehrfürchtig vor dem türkisen Glitzern des kristallklaren Meeres verneigen. Es funkelte, als wäre seine Oberfläche von Abertausenden Edelsteinen im gesamten Spektrum aus Blautönen überzogen, die das menschliche Auge erfassen konnte, und im seichten Wasser waren an meterhohen Pflöcken aus Naturholz drei Hängematten angebracht, die sanft in der Brise wogen, als würden sie über den Wellen schweben.


Wenn ich irgendwann sterben und in den Himmel kommen würde, dann wünschte ich, es würde dort aussehen wie an dieser Küste.


Ich ließ meinen Blick ringsherum schweifen. Die Hauptsaison hatte noch kaum begonnen, sodass es eine überschaubare Zahl an Urlaubern war, die sich über den breiten Strand verteilt oder auf Bambushockern an den zahlreichen Strandbars niedergelassen hatten.


An einer jener Bars, die mir ohne speziellen Grund besonders gemütlich und einladend schien, ließ mich in eine der Holzschaukeln fallen, die neben der Theke von der Decke baumelten, und bestellte das erste Bier des Nachmittags.



Echter Müßiggang will gelernt sein: Das süße Nichtstun

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