• Catalina

Das Leben ist kein Ponyhof

Für den Auftakt der Kummerliebe-Serie habe ich eine ältere Geschichte aus dem staubigen Datenkeller hervorgekramt. Ich habe sie vor gut zehn Jahren geschrieben und musste mir beim Lesen – neben wiederholtem, ausgeprägtem Schmunzeln ob der Erinnerungen an das eine oder andere Subjekt meiner Inspiration – zwangsläufig die Frage stellen, ob ihr Inhalt noch Gültigkeit hat. Ob die Unklarheit über manchen Zusammenhang gleich geblieben ist, verschwunden, gewachsen gar? Tatsächlich denke ich, die ganze Chose ist in Summe noch herausfordernder geworden. So manches fällt mir schwer, noch mit Humor zu nehmen – aber das wird eine andere Geschichte. Schon immer jedenfalls ist die Nostalgie eine meiner liebsten Begleiterinnen gewesen. In diesem Sinne: Darf's ein bisschen her sein?



In der Traumfabrik ist alles ganz einfach. Da verliebt sich der Lektoratsassistent, seine wohlhabende alaskische Familiendynastie im Rücken, in eine Vorgesetzte, nachdem diese ihn zur Verlobung schlicht nötigt. Ein abgedrehter, obschon dennoch stets smarter High School-Darling wird seiner Jahrgängerin spätestens dann nicht länger widerstehen, wenn sie ihm unverblümt die berühmten zehn Dinge vor die hübschen Füße wirft, die sie an ihm partout nicht ausstehen kann. Siebenundzwanzig Kleider muss eine ewige Brautjungfer anprobieren, ehe sie am Ende doch noch selber vor dem Traualtar landet, an der Seite des gutaussehenden Redakteurs vom lokalen Hochzeitsblatt. Und ein kleines Notizbuch erzählt die Geschichte einer Liebe, die so grenzenlos ist, dass sie selbst die scheinbar unüberwindliche Hürde von einer sozialen Schicht in die höhere letztlich wie selbstverständlich im ungeteerten Boden der 1940er-Jahre versickern lässt.

Chick Flicks, Rom-Coms, "Frauenfilme". Ihre Plots können stumpf sein und flach, sie können triefen vor Alltagsphilosophie, die Geschichten komödiantisch oder herzzerreißend drama-tragisch, gesellschaftskritisch bis hin zu kabarettistischem Zynismus. Mir darf das Lachen im Halse stecken bleiben, niemals aber das Herz in die Hose rutschen, denn am happy end will auch ich immer nur das eine: Topf findet Deckel. Und zwar im besten, meinem Lieblingsfall, angelehnt an eine wahre Begebenheit. Hach.

Was wäre wohl daraus geworden, hätte Hugh Grant seinen ganz persönlichen Superstar mit einem schlichten "Ich bin im Moment nicht bereit für eine Beziehung" abgespeist? Rotting Hill? Und wenn die elektronischen Liebesbotschaften an Meg Ryan ein schulterzuckendes "Es liegt nicht an dir…" gewesen wären? You’ve Got Spam? Sprachlos in Seattle?!

Der Wedding Planner ist zum überholten Brotberuf verkommen, vom Aussterben bedroht. Der Nackten Wahrheit kommt plötzlich eine ganz neue Bedeutung zu. Lachsfischen im Yemen mutiert zum Abenteuerpaket für Single-Reisende, und die Never Been Kissed-Riege rettet sich mit Pinot Grigio, Kuscheldecke, Nutellaglas und Magic Mike über die triste Winterpause.

Wo sind sie, die Frösche, die angeblich erst geküsst werden müssen? Und warum bläht ihr König in einer entschuldigenden Anmaßung die präpotenten Backen auf, bevor er hurtig die Flucht nach vorne, in den portugiesischen Surfurlaub nämlich, antritt?

Was ist los mit den Dreißig-Pluslern? Woher die Bindungspanik, weshalb die akute Verpflichtungsphobie? Ist es die Scheidungsgeneration? Oder liegt es am Gros eurer Optionen? Weil man sich heutzutage lieber nicht mehr festlegen will, wo doch mit steigender Lebenserwartung auch die Möglichkeiten in die Höhe schießen und folglich stets etwas noch Besseres nachkommen könnte?

Wer weiß das schon. Es scheint jedenfalls, als sei die City of Angels zur Geisterstadt verkommen, und wenn das Leben kein Ponyhof ist, dann braucht’s auch keinen Pferdeflüsterer.



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